In den letzten Jahren ist der Schnuller zu einem Thema geworden, das für viel Verunsicherung bei den Eltern führt. In meinen unzähligen Beratungen gibt es immer wieder Babys, die von einem Schnuller profitieren könnten, aber Eltern ihn aus Angst vor Saugverwirrung und/oder Spätfolgen ablehnen.

Um dem Mythos der Saugverwirrung mal auf den Grund zu gehen, habe ich recherchiert. Denn aus meiner über zwanzigjährige Erfahrung in Kinderkliniken als Kinderkrankenschwester kann ich sagen, dass es die Saugverwirrung nicht gibt.

Saugverwirrung – woher kommt dieser Begriff eigentlich?

Die sogenannte Saugverwirrung ist ein Begriff, der in der Welt des Stillens immer wieder auftaucht. Es beschreibt die Idee, dass Babys, die sowohl an der Brust als auch mit dem Schnuller oder der Flasche gefüttert werden, Schwierigkeiten haben könnten, zwischen den verschiedenen Saugtechniken zu unterscheiden. Diese Theorie führt oft zu Unsicherheiten bei stillenden Eltern und der Frage: Sollte man besser auf einen Schnuller verzichten, um das Stillen nicht zu gefährden? Doch wie viel Wahrheit steckt hinter diesem Konzept? Ist es wirklich so problematisch, einen Schnuller zu verwenden, wenn das Baby gleichzeitig gestillt wird?

 

Was sagt die Wissenschaft?

Trotz der Popularität dieser Idee gibt es wenig fundierte wissenschaftliche Belege für die Existenz der Saugverwirrung. Viele Empfehlungen, die auf der Saugverwirrung basieren, beruhen eher auf Anekdoten als auf evidenzbasierten Daten.

Mehrere Studien legen nahe, dass das Konzept der Saugverwirrung möglicherweise überbewertet ist. Eine Übersichtsarbeit, die in der Fachzeitschrift Cochrane Database of Systematic Reviews veröffentlicht wurde, untersuchte den Einfluss von Schnullern auf das Stillen und fand keine überzeugenden Beweise dafür, dass die Verwendung eines Schnullers zu negativen Stillresultaten führt. Die Forscher betonten, dass es keine klaren Hinweise darauf gibt, dass Schnuller die Stilldauer oder den Stillerfolg beeinflussen.

Die WHO empfiehlt zwar, Schnuller während der ersten Lebenswochen zu vermeiden, jedoch gibt es keine strikte Ablehnung von Schnullern bei stillenden Babys. Vielmehr steht die Förderung des ausschließlichen Stillens im Vordergrund, ohne die Verwendung von Schnullern als direkten Störfaktor zu betrachten. In vielen Fällen beruhen die Empfehlungen eher auf Vorsichtsmaßnahmen als auf handfesten Beweisen.

Wichtig ist zu berücksichtigen, dass der Erfolg des Stillens von vielen Faktoren abhängt, darunter die Stilltechnik der Mutter, das Saugvermögen des Babys und die allgemeine Stillumgebung.

Gibt es Vorteile eines Schnullers?

Während die Saugverwirrung oft im Vordergrund steht, wird oft übersehen, dass der Schnuller durchaus positive Effekte haben kann. Denn manche Babys können in der ersten Zeit von einem Schnuller profitieren. Gerade Babys, die schlecht in den Schlaf finden, die sehr lange wach sind, viel Schreien und andere Regulationsmechanismen noch nicht ausgeprägt sind.

Das Saugen an der Hand, an der Brust oder am Schnuller dient dem Kind zur Selbstregulation. Der Schnuller kann hier eine beruhigende Funktion erfüllen, insbesondere in Situationen, in denen die Mutter nicht ständig stillen kann oder möchte.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Verwendung eines Schnullers während des Schlafs das Risiko des plötzlichen Kindstods (SIDS) reduzieren kann.

 

Gibt es Nachteile eines Schnullers?

In der Medizin sagt man häufig „Die Dosis macht das Gift“. Wer den Schnuller gezielt einsetzt kann langfristige Folgen vermeiden. Denn Kieferverformungen und Zahnfehlstellung treten häufig mit intensivier Nutzung des Schnullers auf. Hierzu können Rituale bei Babys und Absprachen bei größeren Kindern vereinbart werden, um den Schnuller bewusst einzusetzen.

 

Fazit: Schnuller und Stillen – Eine Balance ist möglich

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Angst vor der sogenannten Saugverwirrung oft übertrieben ist. Zwar mag es bei einigen Babys vorkommen, dass sie anfänglich Schwierigkeiten haben, zwischen den unterschiedlichen Saugtechniken zu wechseln, jedoch gibt es keinen überzeugenden wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die Verwendung eines Schnullers den Stillprozess nachhaltig stört.

Vielmehr sollte der Fokus auf einer guten Stillberatung und einer individuellen Herangehensweise liegen. Mütter sollten sich nicht unter Druck setzen lassen und dürfen den Schnuller als hilfreiches Werkzeug sehen – sei es zur Beruhigung des Babys oder zur Förderung eines guten Schlafrhythmus. Solange das Baby gut zunimmt und das Stillen insgesamt problemlos verläuft, spricht nichts gegen den Einsatz eines Schnullers.

Eltern sollten sich auf ihr Bauchgefühl verlassen, denn letztlich ist jedes Baby einzigartig und was für das eine Kind funktioniert, muss nicht zwangsläufig für das andere gelten. Die Entscheidung, ob ein Schnuller verwendet wird, sollte daher individuell getroffen werden, ohne die Angst vor Saugverwirrung unnötig in den Vordergrund zu rücken.

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Quellen:

  1. Cochrane Database of Systematic Reviews: “Pacifier use versus no pacifier use in breastfeeding term infants for increasing duration of breastfeeding.”
  2. American Academy of Pediatrics (AAP): “Pacifier use and Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) guidelines.”